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Dachfarbe


Dachfarbe selber bestimmen
 

Der Bauherr durfte bei einem Fall vor dem Landgericht Münster entgegen einschlägiger Bauvorschriften die Farbe seines Daches bestimmen. Da Dacheindeckungen in attraktiven Farben sich zunehmender Beliebtheit erfreuen, liegt es auf der Hand, dass mehrere Gerichte sich mit dieser Thematik beschäftigen. Ausschlaggebend hierfür sind die Festsetzungen in örtlichen Bauvorschriften, die hinsichtlich des Gesamterscheinungsbildes einer Dachlandschaft klar von den Wünschen der Bauherren, Planer und ausführenden Dachdecker abweichen. Wünscht der Planer z.B. freundlich wirkende Pfannen in hellblauer Farbe, so kann er im gültigen Bebauungsplan auf die Forderung nach dunklen Deckmaterialien stoßen oder umgekehrt.

 

 

Hinsichtlich zeitgemäßer und moderner Architektur kann man bestimmte Bauvorschriften inzwischen jedoch als überholt betrachten. Stellt eine Gemeinde Bauvorschriften auf, so können diese mehrere Jahrzehnte gelten, ohne je an heute übliche Gestaltungvorstellungen oder Planungssituationen angepasst worden zu sein. Das planerische Ziel, das sich in Bauvorschriften äußert, ist jedoch durch das in Art. 14 GG geschützte Wesen des Eigentums, das Übermaßverbot und das Prinzip der Verhältnismäßigkeit begrenzt.

 

 

Eine Gestaltungsvorschrift muss städtebaulich begründet sein und setzt ein gestalterisches Motiv voraus. Andernfalls würde sie das durch das Grundgesetz geschützte Recht des Bauherren willkürlich einschränken.

 

 

Sicher lässt sich im persönlichen Gespräch mit der Baugenehmigungsbehörde in den meisten Fällen eine einvernehmliche Regelung erzielen. Das gilt besonders dann, wenn die Planung und das vorgesehene Farbkonzept so schlüssig und aufeinander abgestimmt sind, dass eine übertriebene Buntheit ausgeschlossen ist. Nicht selten wird durch eine gute Argumentation im Gespräch sogar die betreffende, hinderliche Vorschrift geändert.

 

 

Verwaltungsgericht Trier, Mai 1991 (Aktenzeichen: 6K81/90)

Die Festlegung der Gemeinde schrieb dunkelfarbiges Material vor. Nach dem Urteil konnte der Bauherr sein Dach mit roten Dachsteinen decken lassen.

 

 

Amtsgericht Lahnstein, September 1991 (Geschäftsnummer 109Js25507/91-3)

Das Verfahren wurde hier sofort eingestellt mit der Begründung, die Bezeichnung dunkle Dacheindeckung sei zu unpräzise und ließe keine genaue Definition der Farbe zu.

 

 

Verwaltungsgericht Koblenz, Dezember 1991 (Aktenzeichen 1K3201/90.O)

Die Stadt hatte im Bebauungsplan eines Neubaugebietes festgesetzt: Es darf kein hellfarbiges Eindeckmaterial verwendet werden. Das Gericht gab dem Bauherren recht, der sein Dach mit Frankfurter Pfannen in der Farbe klassisch-rot gedeckt hatte. Eine Umdeckung musste nicht vorgenommen werden.

 

Gestaltungssatzung Neubaugebiet Steimel

Die Gestaltungssatzung für das Neubaugebiet Steimel kann hier als PDF-Datei downgeloadet werden:

 

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